Wie alles begann ... |
| Es ist kaum zu glauben, wir schreiben das Jahr 1999 und im Kawa
Shop steht ein Bike, von dem man glauben möchte es sei 30 Jahre alt.
Doch die W650 die man dort sieht, ist nagel neu. Ein 'British Style Retro Bike' der 60er mit der Technik der 90er. Ein Verkäufer kommt und entdeckt das Leuchten in den Augen, " die scheint Ihnen ja sehr zu gefallen, wenn sie möchten können Sie sie mal probefahren, wir haben eine angemeldet im Hof stehen". Gesagt, getan, den Helm geschnappt und den Verkäufer bearbeitet, es sofort tun zu dürfen. Es ist 17:30 Uhr und eigentlich hat er an den nächsten Tag oder an die nächste Woche gedacht, aber er gibt nach und winkt mit dem Schlüssel. Die erste Sitzprobe gibt einem das Gefühl: hier sitzt man wie man sitzen muß, entspannen ist angesagt. Den Schlüssel ins Schloß gesteckt, den Kickstarter ausgeklappt, auf die Fußrasten gestellt und angeworfen das Teil. Wau, was für ein Sound, ruhig, aber die Tüten blubbern so vor sich hin und es kommt Bewegung ins Spiel. Der Gang ist drin und los geht's. Die erste Kurve, hui, der Lenker ist ja ziemlich breit, weiter geht's. Ampel rot, wir müssen warten, die Augen der Passanten staunen über das, was sie da sehen. Man kann Ihre Gedanken förmlich sehen:" Schönes altes Mopped, aber was das für eine Schweinearbeit wohl gewesen ist, die so hinzubekommen, sieht ja aus wie aus dem Laden". Ampel grün, jetzt wollen wir mal ein bißchen Gas geben. Wir fahren 50 km/h im 5. Gang. Sie dreht gerade mal 1400 U/min und läuft wie ein schnurrendes Kätzchen, kein ruckeln, kein stottern, wir beschleunigen auf 90 und wollen eigentlich in den 6. schalten, doch da ist keiner mehr, schade nun dreht sie schon 3800 U/min aber läuft genauso schön wie vorher, nur das blubbern ist weg. Aah, ein Autobahnschild los geht's, 100 ... 120 .... 140 ... 160, oh hier bläst der Wind ganz ordentlich, nein das muß nicht sein, runter auf 120, ja das ist in Ordnung. Bei der nächsten Ausfahrt, zurück auf die Landstraße, wir brauchen keine Autobahn. Die kurvenreiche Landstraße ist viel zu früh zu Ende, wir drehen um und fahren die Strecke erneut und dann gleich noch mal. So jetzt noch schnell zu Hause vorbei, ganz stolz auf die Garageneinfahrt, noch mal ein bißchen Gas geben, aufgebockt und Motor aus. Der Helm ist noch nicht ab, da kommen schon die ersten Nachbarn. Die Gruppe wird größer, alles staunt. "Darf ich mich mal drauf setzen?" und schon entwickelt sich die W zum Versammlungsgrund der ganzen Nachbarschaft. Meine Frau kommt nach Hause und grinst bis über beide Ohren: "warst Du doch gucken?". Auf die Uhr geschaut, es ist 20 nach sechs, jetzt aber los, sonst gibt's Ärger! Der Verkäufer steht schon mit scharrenden Füßen in der Schaufensterauslage. Kaum steht die W650 auf Ihrem Platz im Hof, ist das Tor auch schon abgeschlossen. "Sie wissen, daß wir um halb sieben schließen!?" Zurück im Verkaufsraum und noch mal schnell die Unbenutzte im Laden angeschaut: " Was soll die denn kosten?" - "12.450,-, aber die letzte habe ich vorige Woche verkauft!" Der Puls steigt, ein ernster Blick zum Verkäufer:" aber sie bekommen doch bestimmt wieder welche, oder?".-"Nein, tut mir leid, wir haben November und die Saison ist zu Ende, die nächsten kommen im März". Das darf doch nicht wahr sein, frustriert raus aus dem Laden und ab nach Hause. "Und, wann gehst Du sie abholen?" - "Gar nicht, zumindest, geht's im Moment nicht!" Am nächsten Tag, es ist Samstag, werden alle Kawa-Händler in der Umgebung abgeklappert, eine W650 wird gefunden, in silber, aber der Händler läßt nicht mit sich handeln, also wieder zu dem Ersten. Nach einer halben Stunde Diskussion ruft er einen Händler in Bayern an, ca. 600km weiter südlich. An seinem Gesichtausdruck läßt sich erkennen, daß dieser Anruf erfolgreich war. " Eine Woche, geht das in Ordnung?" Ich bin hin und weg, der Preis ist in Ordnung, der Vertrag ist gemacht und jetzt heißt es warten. Dies war die längste Woche meines Lebens, obwohl sie nur 4 Tage gedauert hat. Das Telefon klingelt, "Ihr Motorrad ist da, wann möchten Sie es abholen?" - "Ich komme!" Keine halbe Stunde später bekomme ich vom Junior Chef die Einweisung und die Gratulation über meinen guten Geschmack. Beim Verlassen des Geländes winken mir die Verkäufer noch zu und halten den Daumen nach oben. Zehn Liter gehen noch in den Tank, der Tankwart schaut aus dem Fenster und wundert sich über den kleinen Tank. Auf dem Weg nach Hause muß ich die Reserve öffnen, war wohl doch ein kleiner Umweg. Zuhause angekommen sind bereits 238 km auf der Uhr, 7 waren es beim losfahren. Schön! Am Wochenende ging's wieder los, 4 Grad ist es kalt, aber egal, alles eine Frage der Kleidung und der Einstellung. Nach einer Woche ruf' ich den Händler an, die erste Inspektion ist fällig. Staunend nimmt er das Mopped an und am nachmittag hole ich es wieder ab. Alles in Ordnung, jetzt kann es richtig los gehen. Die Temperaturen nähern sich dem Gefrierpunkt, aber ich kann es einfach nicht lassen. Die Tage wo es trocken ist sind leider sehr selten und der Frühling wird ziemlich energisch herbeigesehnt. Endlich ist es soweit. |